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WLE Newsletter - Frühling 2006
Inhalt:
Kulturelle Aktivität: Hinamatsuri - Puppenfest
Edo Kiriko – Traditionelle Japanische Glaskunst
Mt. Takao Wanderung
Das gibts nur in Japan: Bousai-kan (The Disaster Prevention Center)
Eine Zeitreise in die Edo Epoche
Studenteninterview: Maiken Møller-Hansen
| Kulturelle Aktivität: Hinamatsuri - Puppenfest |
Am 3. März wird in Japan Hinamatsuri gefeiert. An Hinamatsuri, auch Puppenfest oder Mädchenfest genannt, werden alle jungen Mädchen gefeiert, damit sie zu gesunden und glücklichen Frauen werden. An diesem Tag stellen alle Familien, die junge Töchter haben, kleine Puppen in traditionellen Kimonos in ihre Fenster. Dieses Jahr hat die 'Tokyo Shinjuku Culture & International Exchange Foundation' eine große Messe zur Erhaltung der japanischen Kunst und Traditionen veranstaltet.
WLE Studenten aus Deutschland, Italien, Frankreich, Australien, Kanada, USA und Kolumbien hatten das Vergnügen, an dieser Messe teilzunehmen und somit viele japanische Traditionen, wie Kalligraphie, Tuschemalerei, Kimono, Origami, Teezeremonie und die Kunst des Blumenbindens, kennen zu lernen. |
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| Matt platziert seine Blumen |
Blumenbinden – Das japanische Blumenbinden ist eine Kunst, die sehr viel Disziplin erfordert, und die die Natur und die Menschheit in Einklang bringen soll. Die Japaner bevorzugen beim Blumenbinden geradlinige Strukturen. Die gesamte Struktur des Gebindes basiert auf drei geradlinigen Teilen die 'Himmel', 'Erde' und 'Menschheit' symbolisieren. Die Teilnehmer sollten unter Verwendung von 'Ume' (japanische Aprikose) und Rapsblüten lernen, wie man Blumen in einer Vase richtig zur Geltung bringt. An Andreas Gesichtsausdruck konnten wir erkennen, dass die Kunst des Blumenbindens viel Kreativität und intensive Konzentration erfordert. Am Ende des Kurses durften alle Kursteilnehmer ihre blumigen Kunstwerke mit nach Hause nehmen.
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| Julia und Alex bei der Arbeit |
John ist stolz auf sein Kunstwerk! |
Tom befolgt die
Anweisungen der Kursleiterin |
Tuschemalerei – Die japanische Tuschemalerei ist eine Kunst, bei der mit schwarzer Tinte/Tusche und einem Bambuspinsel auf weißes Reispapier gezeichnet wird. Es ist sehr schwierig die Tinte richtig zu dosieren – zu viel Tinte saugt sich in das Reispapier ein – zu wenig Tinte lässt die Linien unklar erscheinen.
Die Kursteilnehmer bekamen zunächst ein Übungsstück um zu verstehen, wie sich die Tinte auf dem Papier verhält. Nach unserem ersten und einzigen Übungsversuch machten wir uns an unsere eigenen Kunstwerke. Dank der netten und geduldigen Kursleiter, konnte jeder von uns eine wunderschöne Tuschezeichnung anfertigen. Da sich John (USA) für sein Meisterwerk besonders viel Zeit nahm, wurde er von einem der Kursleiter sehr gelobt. Jede Tuschezeichnung wurde gerahmt und jeder durfte seine Zeichnung mit nach Hause nehmen.
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David und Suzuki-san haben
gleich Freundschaft geschlossen |
Lukas liebt die japanische Kultur |
Andreas ist sehr konzentriert |
Kimono – Wenn man für längere Zeit in Tokio ist, sollte man mindesten einmal einen Kimono getragen haben. Auf der Messe hatten wir das Vergnügen, dies zu tun. Während Theresia (Deutschland) versuchte den Kimono anzulegen, wurde ihr bewusst, wie schwierig dieses Unterfangen tatsächlich ist. Als sie den Kimono dann vollständig angelegt hatte, sagte sie uns, dass sie sich doch sehr abgeschnürt und eingeengt fühlt. Die männlichen Teilnehmer machten allerdings die Erfahrung, dass die Kimonos für Männer im Gegensatz sehr bequem und locker sitzen. Echte Kimonos sind aus reiner Seide und können mehr als 1 Million Yen (rund 7000 Euro) kosten. Wir waren alle sehr froh, dass wir diese tolle Erfahrung machen durften.
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Der 'Obi' (breit Schärpe)
muss fest sitzen |
Theresia, Abi, Claudia, Gregory,
David und Tom vor den Hinaningyo-Puppen |
Tom und David umgeben
von wunderschönen japanischen
Frauen im Kimono |
Am Ende der Messe wurde dann noch eine Runde Bingo gespielt. Jeder gewann bei diesem Spiel ein kleines Andenken an diesen sehr interessanten Tag. |
| Edo Kiriko – Traditionelle Japanische Glaskunst |
Was haben die Schauspielerin Elizabeth Taylor und der 39. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Jimmy Carter, gemeinsam? Beide sammelten japanische Glaskunstwerke, genannt Edo Kiriko. Edo Kiriko, was wörtlich übersetzt soviel heißt wie ' Schnitte aus der Edo Epoche', nennt man das japanische Glashandwerk, dessen Geheimnisse schon seit mehr als 170 Jahren vom Handwerksmeister an den Lehrling weitergegeben werden.
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| Verschiedene Edo Kiriko |
Stücke von Ojima-sensei |
Studenten entwerfen ihre Motive |
Handwerksmeister Ojima-sensei, der das Glashandwerk bereits seit mehr als 20 Jahren ausübt, hieß die WLE Studenten Anfang März in seinem Studio willkommen. Er demonstrierte uns seine außergewöhnlichen Techniken, indem er das Glas mit Hilfe eines Drehtisches schliff. Wir alle waren begeistert, als er innerhalb weniger Augenblicke das Bild eines Traubenhenkels in ein Glas gravierte.
Nun waren wir an der Reihe unser eigenes Edo Kiriko herzustellen. In den beiden Studios gab es sieben Arbeitsplätze mit verschiedenen Drehtischen; jeder Drehtisch für unterschiedliche Motive. Die beliebtesten japanischen Motive sind Fischschuppen (Nanako), Flechtmuster (Kagome), Blumen (Kikutsunagi), Bambusmuster (Yarai Gasane), Eklipsen (Shippou), Sterne (Hoshi) und Hanfblätter (Asanoha).
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| Konzentriertes Arbeiten |
Bens fertiges Edo Kiriko |
So wird das Glas dekoriert |
Ben begann sofort damit, die Australische Flagge in sein Glas zu gravieren, merkte jedoch schnell, wie schwierig es ist, den richtigen Schliff zu finden. Im zweiten Studio brauchte Stacy derweilen sehr lange, um sich ein Motiv für ihr Glas auszusuchen. 'Ich muss mir erst ganz sicher sein, was mir gefällt, bevor ich mit der Arbeit beginne', sagte sie, während sie sich die Arbeiten von Ojima-sensei sehr genau ansah.
Nachdem sich alle für ein Motiv entschieden hatten machten wir uns hoch konzentriert an die Arbeit. Alles was man dann noch hören konnte waren die Schleif- und Fräsmaschinen. Unsere Studenten saßen über ihre Arbeiten gebeugt als seien sie professionelle Edo Kiriko Handwerker. Währen Alex an ihrer Gravur arbeitete, sagte sie: 'Es ist nicht schwer ein großes Bild zu gravieren, der Teufel steckt im Detail. Es erfordert sehr viel Konzentration.'
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Ojima-sensei schaut sich
die Arbeiten von Lukas und
Alex genau an |
Matt, Abi und Stacy |
Gruppenbild mit Ojima-sensei |
Innerhalb einer Stunde waren fast alle mit Ihren Gläsern fertig. Neben der Australischen Flagge gab es noch Motive wie Blumen, Wälder, Bambus, Mickey Mouse und sogar Super Mario! Zum Abschied dankten wir Ojima-san für diesen interessanten Einblick in seine Arbeit. Unsere Edo Kirikos durften wir sogar mit nach Hause nehmen. |
| Mt. Takao Wanderung |
In der letzten Woche der Golden Week Ferien machten wir uns gemeinsam auf, den Mt. Takao zu besteigen. Matthew und Wesley (beide aus den USA), Ina (Indonesien), Maiken (Dänemark), Ben (Australien) und der Reiseleiter Ueda-san kamen nach einer Stunde Zugfahrt am Fuße des Mt. Takao an. Im Jahre 744 nach Christus wurde der Tempel Yakuo-in auf dem Mt. Takao erbaut, und seither gelten der Berg und dessen Umgebung als heiliger Ort.
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Zum Glück mussten wir
den Berg nicht ganz
zu Fuß erklimmen |
Unsere Gruppe vor einer
großen Zeder |
Wir nähern uns dem dichten
Wald des Mt. Takao |
Wir hatten leider etwas Pech mit dem Wetter. Es regnete und war neblig. Das Gute daran war jedoch, dass gerade wegen des schlechten Wetters nur sehr wenige Menschen auf dem Mt. Takao waren, und wir den Berg fast für uns alleine hatten. Umgeben vom dichten Nebel konnten wir nur die großen zedern noch erkennen, die bis in den Himmel zu ragen schienen. Der Regen war nicht so schlimm wie wir dachten, da die großen Blätter der Zedern uns schützten, und wir überhaupt nicht nass wurden. Wie wir so im Wald spazieren gingen war es uns, als ob jeden Moment ein Tengu aus den Büschen springen könnte.
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| Oben angekommen! |
Tengu |
Ina und Maiken neben
dem heiligen Hund |
Ein Tengu ist entweder eine Gottheit, oder ein Dämon. Tengus werden in den japanischen Volksmärchen seit jeher mit dem Mt. Takao in Verbindung gebracht. Sie sind eine Mischung aus Mensch und Vogel, haben rote Gesichter und lange Nasen. Sie haben Flügel aus Federn oder Blättern und werden entweder als heilige Beschützer des Mt. Takaos, oder als Unheil anrichtende Dämonen gesehen. Im Yakuo-in Tempel stehen viele verschiedene Tengu Statuen.
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| Yakuo-in Tempel |
Wesley |
Tengustatue vor dem Tempel |
Nach 3 ½ Stunden beendeten wir unseren Spaziergang. Wir waren alle sehr müde – aber zufrieden. Dieser Ausflug und die Spaziergänge in den Wäldern gaben uns allen die Möglichkeit, uns einmal von dem hektischen und aufregenden Leben in Tokio zu erholen. Im Zug zurück nach Tokio stellte Matthew fest, dass, obwohl es geregnet hat und neblig war, das Wetter, und die daraus entstandene Atmosphäre auf dem Mt. Takao, perfekt für uns waren! |
| Das gibts nur in Japan: Bousai-kan (The Disaster Prevention Center) |
Viele Menschen erinnern sich mit Schrecken an das verheerende Erdbeben der Stärke 6.8 auf der Richterskala, das vor zwei Jahren große Teile Niigatas verwüstete. Da Japan regelmäßig von Erdbeben heimgesucht wird, lohnt es sich allemal, das einzigartige 'Disaster Prevention Center' der japanischen Feuerwehr zu besuchen. In diesem schicken, fünfstöckigen Gebäude kann man lernen, wie man sich bei Erdbeben und anderen Naturkatastrophen verhält. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass es in der Zeit, in der wir in Japan sind, keine Erdbeben geben wird. Nach dem Besuch im 'Disaster Prevention Center' können wir aber behaupten, dass wir im Notfall wüssten, wie wir uns zu verhalten hätten!
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Gruppenbild auf dem
Mini-Feuerwehrauto |
Hubert, Matt und Mason mit
ihren 3D-Brillen |
Matt und Mason bereit sich
in den Sturm zu stürtzen! |
Neben den sehr interessanten Ausstellungen und Objekten, war der Erdbebensimulator das wohl angsteinflößendste Gerät. Bevor wir diesen jedoch ausprobierten, haben wir uns einen 3D-Film über das große Erdbeben in Tokio vor vielen Jahren angesehen. Im Film sahen wir große Menschenmassen auf die Straßen rennen. Schilder, Steine, Ampeln und Schutt fielen auf sie herab, während sie um ihr Leben liefen. Diese Bilder haben uns alle schockiert.
Nach dem 3D-Film durften wir dann im Erdbebensimulator ein Erdbeben der Stärke 7.3 auf der Richterskala erleben. Der Simulator ist mit einer Küchenzeile, Schränken, Sitzgelegenheit und einer Zimmertür wie ein typisch japanisches Wohnzimmer eingerichtet. 'Das Wichtigste was ihr bei einem Erdbeben tun müsst, ist euch selbst in Sicherheit zu bringen. Ein eventuelles Feuer zu löschen oder Fluchtwege freizuhalten ist sekundär', sagte unser Tourguide.
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| Unser Guide, Kushida-san, gibt uns viele nützliche Informationen |
Während des (künstlichen) Erdbebens unter einem Tisch Schutz suchen! |
Unsere Studenten nach dem Erdbeben – geschüttelt nicht gerührt! |
Obwohl wir wussten, dass das Erdbeben kommt, war es doch sehr furchterregend, als plötzlich der Boden unter unseren Füßen heftig gewackelt hat. Wir sind alle schnell unter einen Tisch gekrochen und haben unsere Köpfe mit Kissen geschützt. Mason (aus Kanada) schien das alles sogar Spaß zu machen, wie eine Attraktion im Freizeitpark, aber sogar er hat sich sein Kissen fest auf den Kopf gedrückt. Die Stärke dieses Bebens war sogar für Ina kaum vorstellbar. Ina kommt aus Indonesien, wo es auch regelmäßig Erdbeben gibt.
Wir hatten zwar alle schon viel von Erdbeben gesehen oder gelesen, eines selbst zu erleben hat jedoch all unsere Vorstellungen weit übertroffen. Was wir an diesem Tag gelernt haben, werden wir so schnell nicht wieder vergessen und hoffentlich im Falle eines Erdbebens richtig einsetzen können.
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| Eine Zeitreise in die Edo Epoche |
Am Sonntag, den 25. Juni, machten sich Hubert und Matt (beide aus Kanada) und Yossi (aus Israel) auf den Weg zum 'Edo Fukagawa Museum'. Dieses Museum ist eine nachgebaute Welt der Edo Epoche. Man fühlt sich um 300 Jahre in der Zeit zurück versetzt.
Der Rundgang durch das Museum ist etwas höhergelegen und somit hatten wir einen guten Ausblick auf die Ziegeldächer. Während wir uns das nachgebaute Dorf aus der Edo Epoche von oben ansahen, wurden wir von sanften Melodien der Shamisen (ein traditionelles japanisches Musikinstrument) umgeben. Es war ein großer Zufall, dass wir genau an diesem Tag die monatlich stattfindende Shamisen Aufführung in den Tatamiräumen miterleben durften.
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| Die nachgebauten Ziegeldächer |
Matt mit einem Mörtel aus
der damaligen Zeit |
Eine Küche aus der Edo Epoche |
Yossi setzte sich in die erste Zuschauerreihe in dem Tatamiraum, um denKlängen der Shamisen zu lauschen. Da sein Gastvater auch Shamisen spielt, wurde Yossi zu einem großen Fan dieses Instruments. In der Zwischenzeit erkundeten die anderen Studenten die nachgebauten Gebäude, wie den Reisladen und das Warenhaus.
'Kommt schnell her und setzt euch, oder ihr werdet die ganze Aufführung verpassen', sagte Yossi. Also setzten wir uns und hörten uns ein paar Stücke an. Eine Frau im Kimono begleitete die Shamisen Spieler auf einer Shinobue (Flöte) um den gespielten Tönen noch mehr Ausdruck zu verleihen. Wir haben uns gefragt, ob das Leben in der Edo Epoche immer so ruhig und relaxt zuging.
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| Hubert testet die Funktionalität der traditionellen Edo Schirme |
Geschirr aus der Edo Epoche |
Nach der Aufführung stellten sich die Musiker vor und ließen uns ihre Instrumente in Augenschein nehmen. Da wir aus fremden Ländern kamen, erklärten sie uns, wie wichtig ihre Instrumente in der Edo Epoche waren und zeigten uns, dass die Shamisen nur 3 Saiten haben und deshalb nur ganz zarte Töne spielen. Es war überraschend für uns zu erfahren, dass die Shamisen mit Katzen- oder Hundehaut bespannt werden.
Durch die Klänge der Shamisen, die alten Möbel und Gebäude, der Geruch der Tatami und nicht zuletzt durch die Gastfreundschaft der Menschen in diesem Museum, fühlten wir uns als Teil der Edo Epoche. Wir fuhren an diesem Tag mit dem Gefühl nach Hause, vor 300 Jahren schon einmal gelebt zu haben.
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| Die Aufführung der Shamisen Spieler |
Yossi beim Versuch ein Shamisen zu spielen |
Gruppenbild mit den Shamisen Spielern |
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| Studenteninterview: Maiken Møller-Hansen |
Name: Maiken Møller-Hansen
WLE Programm: Konversationsprogramm (Anfänger)
Wohnhaft in: USA
Nationalität: Dänisch
Beruf: Manager / Student
Ausbildung: MS in Communications
Sprachkenntnisse: Dänisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, sukoshi Nihongo.
Hobbys: Fotographie, Outdoors und Kunst
Bist du zum ersten Mal in Japan?
Ja – nachdem ich schon seit mehr als 20 Jahren immer nach Japan wollte, habe ich es nun endlich geschafft!
Warum hast du dich dafür entschieden, Japanisch zu lernen?
Als ich 10 Jahre alt war, bekam ich meinen ersten Sony Walkman geschenkt – seither habe ich großes Interesse an Japan und ich denke, es gibt keine bessere Möglichkeit, ein Land und dessen Kultur zu verstehen, als die Sprache zu lernen.
Wie gefällt dir dein Studium in Japan?
Es macht so viel Spaß! Ich glaube ich bin ein kleiner 'Otaku' (Sprachenfreak) – ich liebe es, wenn sich mir jeden Tag eine neue Tür der der Sprache öffnet, einfach indem ich mir mehr und mehr Grammatikkenntnisse und Vokabeln aneigne. Der Sprachunterricht selbst war viel abwechslungsreicher und lustiger als ich es mir vorgestellt hatte. Die Atmosphäre an der Schule ist toll und die Lehrer wissen, wie sie den Lehrplan so abwechslungsreich wie möglich gestalten können. Das allerbeste Gefühl ist es jedoch, wenn man außerhalb des Klassenzimmers nach und nach immer mehr von der Sprache versteht, und plötzlich einem Gespräch zweier Japaner in der U-Bahn folgen kann.
Wie gefällt dir Tokio?
Tokio ist eine faszinierende Stadt. Die Liste an Dingen, die man hier tun kann, scheint unendlich zu sein. Es dauert eine Weile, bis man sich an die Größe der Stadt und an die vielen Menschen gewöhnt hat – es sind überall Menschen – immer – egal zu welcher Tageszeit! Aber sobald man sich ein bisschen besser auskennt, beginnt man, die vielen verschiedenen Gesichter Tokios zu entdecken. Ich liebe die vielen verschiedenen Gegenden in Tokio, weil jede Einzelne mir einen neuen Einblick in die japanische Kultur und Geschichte gewährt.
Was findest du in Tokio am interessantesten?
Ich habe mich in die kleinen, gewundenen Straßen von Tokio (Harajuku, Aoyama oder Daikanyama) verliebt, die man jedoch nur in einigen Teilen der Stadt findet. Ich schlendere gerne durch diese Straßen um deren Schätze, wie die kleinen Läden und Restaurants, die kleinen alten Häuschen, Schreine und Tempel zu entdecken. Ich bin außerdem ein großer Fan des Tsukiji Fischmarkts – ich stehe ganz früh auf (vor dem Unterricht) und gehe zum größten Fischmarkt der Welt. Ich habe hier schon mehr Fische und Meeresbewohner gesehen, als ich mir auf der Welt vorstellen kann. Der Fischmarkt ist ein toller Ort um Bilder zu machen, sei es von den Fischen oder von den Menschen die dort arbeiten. Natürlich bekommt man auch nirgendwo besseres und frischeres Sushi als hier. Ein weiteres Erlebnis ist natürlich Tokio bei Nacht. Wenn die Sonne untergeht, und die Neonlichter der Stadt werden eingeschaltet, fühlt man sich wie im Film 'Blade Runner'.
Hat dich dein Aufenthalt in Japan verändert? Wenn ja, inwiefern?
Da ich schon so lange davon geträumt habe nach Japan zu reisen, hat mich diese Erfahrung sehr glücklich gemacht. Ich würde sogar sagen, dass mir meine Zeit in Japan in vielen Belangen die Augen geöffnet hat. Ich bin vorher schon viel gereist, allerdings immer nur in Amerika und Europa, und dachte daher immer, dass Asiaten, und speziell Japaner, irgendwie 'anders' sind. Die Wahrheit ist, sie sind tatsächlich anders, jeder für sich ist einzigartig. Aber gleichzeitig habe ich gemerkt, dass wir doch alle dieselben Dinge mögen, wie zum Beispiel die Fußball Weltmeisterschaft, Musik, Filme, Reisen und so weiter. In der Schule habe ich auch viele Menschen aus anderen Teilen Asiens kennen gelernt und ich bin glücklich, so viele neue Freunde zu haben.
Ich habe in Japan auch gelernt geduldig zu sein und meine Energie auf Dinge zu lenken, die im Leben wirklich wichtig sind. Während meiner langen Zugfahrten in Tokio habe ich die Japaner stets für ihre Geduld und für ihre Bereitschaft, die überfüllten Lebensräume und Ressourcen mit anderen zu teilen, bewundert. Es scheint mir, als würden die Menschen in anderen Teilen der Welt zu viel Energie darauf verschwenden, sich über unwichtige Dinge zu ärgern oder aufzuregen, anstatt ihre Energie auf die wichtigen Dinge zu lenken – ich denke also, dass mein Aufenthalt in Japan mir gezeigt hat, wie ich zu einem glücklicheren Menschen werden kann.
Was gefällt die an Tokio/Japan am besten?
Es fällt mir sehr schwer mich da auf eine Sache zu beschränken. Aber wenn ich muss, würde ich sagen, dass mir das Essen am besten gefallen hat. Ich habe gemerkt, dass die japanische Küche viel mehr Köstlichkeiten zu bieten hat als Sushi. Das Beste daran ist, dass das japanische Essen meist sehr gesund ist. Ich glaube nicht, dass irgendein Land und dessen Küche mit dem japanischen Essen mithalten kann. Trotzdem ist und bleibt Sushi mein absolutes Lieblingsessen. Der Geschmack, die Frische und auch die niedrigen Preise von Sushi sind einfach unschlagbar. In den Sushi Restaurants mit den Laufbändern, die man überall in Tokio findet, wird man sogar ohne jegliche Sprachkenntnisse satt.
Wirst du wieder nach Tokio/Japan reisen?
Ja, keine Frage! Dies war nur mein erster Besuch, aber keinesfalls mein letzter. Ich möchte auf jeden Fall weiter Japanisch lernen und irgendwann einmal auch die abgelegeneren Teile des Landes wie Hokkaido und Okinawa besuchen.
Welchen Rat würdest du Studenten geben, die zum ersten Mal nach Tokio/Japan kommen?
Tut es einfach! Vor meiner Reise war ich etwas besorgt, ob auch alles klappen wird, da ich nur sehr wenig Japanisch sprach. Außerdem machte mir die Größe der Stadt auch etwas Angst. Aber obwohl Tokio so groß und unüberschaubar ist, ist es eine sehr sichere, freundliche und gut strukturierte Stadt. Ich habe mich nicht ein einziges Mal unsicher oder ängstlich Gefühlt. Ich musste auch keine Angst haben mich zu verlaufen. Die wichtigen Straßenschilder sind auch in Englisch. Mir ist es sogar oft passiert, dass Menschen, die ich nach dem Weg fragte, sich die Zeit nahmen, um mit mir da hin zu laufen, wo ich hin wollte, obwohl sie eigentlich in eine ganz andere Richtung wollten. Wenn die Menschen kein Englisch sprachen, haben sie mir einfach signalisiert mitzukommen und haben mich dann hingebracht!
Mein zweiter, etwas langweiligere Tipp: Lernt soviel Hiragana & Katakana wie möglich, bevor ihr nach Japan kommt (es sei denn, ihr habt genügend Vorkenntnisse). Es gibt so viele Hiragana & Katakana, dass man sich schnell etwas verloren fühlen kann. Je mehr Zeichen man beherrscht, und je schneller man diese lesen kann, desto schneller kann man sich wirklich intensiv mit den Lehrbüchern auseinandersetzen.
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